Der richtige Notruf

5 W-Fragen:

Wo ist etwas passiert?

Was ist passiert?

Wieviele Personen sind verletzt?

Welche Art von Verletzungen/Erkrankungen?

Warten auf Rückfragen!

 

Ein Merksatz, der für jeden Notruf Gültigkeit hat:

Beenden Sie das Telefongespräch niemals von sich aus. Der Gesprächspartner in der Rettungsleitstelle teilt Ihnen mit, wann Sie auflegen können, was wiederum erst geschehen wird, wenn alle erforderlich Daten vorliegen. 

Der Notruf nach einem Verkehrsunfall

An oberster Stelle steht hier die Eigensicherung. Warndreieck und Warnweste sind keine überflüssigen Utensilien. Die nachfolgenden Zeilen setzen somit voraus, dass man das Warndreieck bereits platziert hat und eine Warnweste trägt. Eigensicherung und Absicherung sind der Ursprung aller Hilfeleistungen auf unseren Straßen. Sobald Sie nach der Absicherung an den Unfallort zurückgekehrt sind, wählen Sie mit Ihrem Mobiltelefon den Notruf (112), denn nun beginnt eine Art „Bestandsaufnahme".

Stellen Sie sich zunächst einmal bei der Rettungsleitstelle vor, sagen Sie wer Sie sind und wo Sie sich gerade befinden, damit Sie diesen wichtigen Punkt vor lauter Aufregung später nicht vergessen. Melden Sie einen Verkehrsunfall.

Was nun folgt ist im Grunde ein „Frage-und-Antwort-Spiel" zwischen der Rettungsleitstelle und Ihnen. Bitte wundern Sie sich nicht über die Fragen die man Ihnen stellen wird, denken Sie auch nicht über deren Sinn nach, sondern seien Sie einfach nur bemüht diese Fragen so rasch und kurz, aber korrekt wie möglich zu beantworten. Keine Sorge, nicht Sie oder Ihre Person stehen im Mittelpunkt des Interesses, sondern ausnahmslos das Unfallgeschehen. Rechnen Sie mit Fragen nach der Anzahl von verletzten Personen, ob Sie die Schwere der Verletzungen einschätzen können. Man wird wissen wollen ob Personen eingeklemmt sind, ob Sie Benzingeruch wahrnehmen und ...

Zur Beantwortung aller Fragen, die auf Sie zukommen, müssen Sie sich (bei aller Vorsicht) dem Unfallort natürlich - bei gleichzeitiger Anwahl der Notrufnummer - nähern. Es mag Angesichts schwer verletzter Menschen gewissenlos erscheinen ein vermeintlich endloses Telefonat mit der Rettungsleitstelle zu führen, doch alle Daten die von der Rettungsleitstelle abgefragt werden dienen nur einem Ziel: Die anrückende Hilfe so effektiv wie möglich zu gestalten, die gemeinsame, zeitgleiche Rettung aller Verkehrsopfer zu gewährleisten.

Den hohen Stellenwert des Notrufes erkennen Sie auch an folgendem, wohl unmenschlich klingendem Tipp: Wenn Sie alle Verletzten augenscheinlich erfasst haben, Sie vom Anblick der Opfer und Art der Verletzungen aber derart aufgewühlt sind, dass Sie glauben keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können, so wenden Sie sich für die Dauer des Notrufes einfach ab, gehen Sie ein paar Schritte zur Seite. Erste Hilfe beginnt immer mit dem Notruf. Die Geduld dafür müssen wir aufbringen.

Sie ersetzten während des Notrufes „die Augen der Rettungsleitstelle". Sollte Sie eine Frage überfordern oder sollten Sie diese nicht beantworten können, da Sie vermuten sich dabei selbst in Gefahr zu begeben, seien Sie so ehrlich und sprechen Sie dies offen aus. Auch daraus kann die Rettungsleitstelle Rückschlüsse ziehen. Bitte bleiben Sie beim Notruf so gefasst wie möglich und „erdichten" Sie keine Antworten, nur weil Sie glauben sich andernfalls zu blamieren.

Sie können sich überhaupt nicht blamieren, denn Sie sind es, der den Notruf auslöst und mit Ihren Angaben nun die Rettungskette in Gang setzt. 

Der Notruf im häuslichen Bereich

Auch hier gilt: Stellen Sie sich bitte erst einmal namentlich vor und teilen Sie mit, wo Sie sich gerade aufhalten. Damit haben Sie diesen wichtigen Punkt schon einmal abgehandelt. Das Personal der Rettungsleitstelle ist bemüht auf die Anrufenden beruhigend einzuwirken und spricht die Anrufer dabei gerne mit dem Namen an.

Sie müssen keine Diagnosen stellen, dies ist nicht Ihre Aufgabe. Sagen Sie nur was vorliegt, will heißen: sagen Sie einfach was Sie sehen. Beschreiben Sie das Gebrechen oder die Schmerzen so, wie es der Patient auch getan hat. Blässe im Gesicht, blaue Lippen oder Schmerzen im Oberbauch, starke Schmerzen nach einem Sturz. Was immer Sie sehen, Sie aufgrund der Krankheitsgeschichte bzw. des Unfallverlaufes wissen oder Ihnen vom Patienten erzählt wird; geben Sie diese Eindrücke, dieses Wissen und/oder die Worte des Patienten an die Rettungsleitstelle weiter. Auf diese Weise ersteht in der Rettungsleitstelle ein Gesamtbild, erstellt Ihr Gesprächspartner in der Leitstelle eine „Verdachtsdiagnose".

Natürlich ..., auch dies fordert von uns Geduld, eine Beherrschtheit, der wir aber nicht entrinnen können, so schwer es uns auch fallen mag. Der Notruf ist nun einmal der Beginn einer Rettungskette.

Ihr Gesprächspartner in der Rettungsleitstelle ist sich über Ihre Sorgen, Ihre Ängste und der damit verbunden Aufregung durchaus im Klaren. Hören Sie zu, sobald Ihnen eine Frage gestellt wird und verzweifeln Sie nicht, denn die ersehnte Hilfe ist in wenigen Augenblicken auf dem Weg zu Ihnen.